Benötigt man überhaupt noch eine dezidierte PCI Grafikkarte?

In Zeiten der immer stärker werdenden internen (auch: onboard) Grafikkarten (GPU = Graphics Processing Unit) ist die Frage, ob man überhaupt noch eine dezidierte PCI Grafikkarte benötigt,

durchaus auch fürs Gaming berechtigt. Spätestens seit 2017, als die ersten AMD Ryzen CPUs (Central Processing Unit = Prozessor) mit integrierter Grafikkarte erhältlich waren, ist es die Überlegung wert, ganz auf eine dezidierte Grafikkarte zu verzichten. Vor allem dann, wenn man sowieso nicht allzu intensive Spiele oder Anwendungen verwendet.

Und auch die Preise der dezidierten Grafikkarten sind in den letzten Jahren durch Chipmangel und Kryptowährungen so stark angezogen, dass der ein oder andere sich die Grafikkarte erst einmal gespart hat.

Die Frage, ob man überhaupt noch eine dezidierte Grafikkarte braucht, lässt sich jedoch nicht so leicht beantworten und hängt sehr vom individuellen Anwendungszweck ab.

Was ist eine dezidierte PCI Grafikkarte?

Eine dezidierte PCI Grafik Karte ist im Vergleich zur internen Grafikkarte eine separate Hardwarekomponente. Dezidierte PCI Grafikkarten werden in den PCIe-Slot des Mainboards gesteckt. Zum jetzigen Zeitpunkt stammen die Grafikchips ausschließlich von AMD oder NVIDIA, in Bälde möchte auch Intel in den Markt für dezidierte Grafikkarten einsteigen. Die zwei Chip-Hersteller verkaufen zwar auch eigens gefertigte Grafikkarten (sogenannte Referenzkarten), die Meisten werden jedoch eine Grafikkarte von einem Partnerhersteller wie EVGA, PNY, Gigabyte, Asus, MSI usw. kaufen oder gekauft haben. Diese haben zumeist bessere Kühlungs- und Übertaktungsoptionen im Vergleich zu den Referenzkarten.

Was ist eine interne Grafikkarte?

Interne, oder auch “onboard” Grafikkarten (bei AMD: APU, “Accelerated Processing Unit”, bei Intel: IGP, Integrated Graphics Processor), sind im CPU-Modul enthalten. Aber nicht jede CPU hat eine solche Grafikkarte integriert. In den letzten Jahren wurden diese integrierten Grafikkarten immer leistungsstärker, weshalb einige Gamer bewusst darauf verzichtet haben, eine dezidierte Grafikkarte zu erwerben. Auch viele Laptops und Notebooks haben für die Grafikdarstellung nur eine interne Grafikkarte verbaut, da dies nicht nur Kosten, sondern vor allem auch Platz spart.

Vorteile: integriert vs. dezidiert

Grundsätzlich hängt die Frage, ob man auf eine dezidierte Grafikkarte verzichten kann, sehr davon ab, was man mit seinem Computer oder Laptop vorhat.

Einige CPUs von AMD & Intel haben oftmals keine Grafikeinheit integriert. Die Hersteller gehen hier davon aus, dass einige Kunden auf die interne Grafikeinheit verzichten, da sie sich sowieso eine anschaffen. Falls die Grafikkarte ausfällt oder aus irgendeinem Grund gerade nicht verwendet werden kann, kann man den Computer trotzdem weiterhin verwenden. Hierfür muss einfach nur das Monitorkabel (HDMI/Displayport) vom Anschluss an der Grafikkarte an den Anschluss des Mainboards gesteckt werden.


Vorteile dezidiertVorteile integriert
Große Auswahl von günstig bis teuer, groß, klein, RGB, …Bei der CPU dabei, dadurch deutlich günstiger
Leistungsstark: manche Anwendungen & Spiele machen nur mit dezidierter GPU wirklich SinnStromsparend
Mehr Ports (HDMI, DisplayPort)Platzsparend: für flache/Mini-Systeme
Unterstützung für zusätzliche Features (Raytracing, G-Sync, FreeSync, etc.)Rechner kann auch bei Ausfall der dezidierten GPU weiterverwendet werden
Austauschbar & UpgradebarBenötigt keine Kühlung (geringere Lautstärke)

Für wen eignet sich welche Karte?

Eine dezidierte PCI express Grafikkarte ist für all diejenigen interessant, die mit hohen Auflösungen (z.B. 4k) oder hohen Bildwiederholraten (z.B. 144 Hertz) spielen möchten. Auch für berufsbezogene Zwecke wie Rendering von Videos, Bild- und Videobearbeitung oder für aufwendige 3D-Anwendungen reichen die internen Grafikmodule selbst bei den teuersten Prozessoren zumeist nicht aus. Und auch die Cryptominer verwenden dezidierte Grafikkarten zum Schürfen der digitalen Währungen.

Wer bei den neuesten und sehr grafikintensiven Spielen kein Ruckelfest oder matschige Texturen möchte, sollte unbedingt Geld in eine dezidierte Grafikkarte investieren. Titel wie CYBERPUNK 2077, Read Dead Redemption 2 oder FINAL FANTASY XV sind beinahe unspielbar auf internen Grafikkarten.

Jedoch kann man nicht grundlegend behaupten, man bräuchte zu Gaming-Zwecken unbedingt eine dezidierte Grafikkarte. Viele Spiele, vor allem ältere und auch Indie-Titel, laufen bei 1080p und 60 FPS vollkommen flüssig. Das ist selbstverständlich vom jeweiligen Spiel, von der Power der spezifischen internen Grafikkarte sowie den Grafikeinstellungen abhängig. Man darf auch bei älteren Spielen nicht erwarten, diese mit voller Auflösung und maximalen Grafikdetails spielen zu können.

Unter den Spielen, die auch mit interner Grafikkarte Spielspaß bringen, sind durchaus sehr beliebte Titel wie Fortnite, Minecraft, League of Legends oder Counter-Strike: Global Offensive. Wer sowieso nur diese Spiele spielt und auch in Zukunft keine anderen Titel ausprobieren möchte, kann auf eine dezidierte Grafikkarte verzichten und so viel Geld sparen. Die Ersparnis kann stattdessen in eine sehr leistungsstarke CPU investiert werden, die wiederum auch einen besseren Grafikchip mitbringt. Und umentscheiden kann man sich nach ein paar Monaten oder Jahren auch noch, und einfach eine dezidierte Grafikkarte nachrüsten.

Interne Grafikkarten sind dagegen für viele normale Office-Zwecke völlig ausreichend – zumindest diejenigen Chips, die bei neueren Prozessoren enthalten sind. Die Grafikchips in älteren Prozessoren reichten teilweise nicht einmal aus, um ein 1080p Video ruckelfrei abspielen zu können. Wer sowieso “nur” E-Mails liest, Office-Anwendungen und Social Media benutzt oder ab und zu einen Stream oder ein Video schaut, kommt heutzutage auch ohne dezidierte Grafikkarte sehr gut aus.

Fazit

Die Zeiten für Gamer mit nicht ganz so hohen Ansprüchen sind derzeit rosig: interne Grafikkarten sind so gut geworden, dass man für viele beliebte Spiele gar keine dezidierte Grafikkarte mehr benötigt. In Laptops und Notebooks ist das sowieso bereits seit Jahren Standard – für reine Office-Zwecke wäre eine dezidierte Grafikkarte herausgeschmissenes Geld. Und auch in Zeiten der immer teureren Strompreise kann man sich zweimal überlegen, ob man sich einen Stromfresser ins Gehäuse baut. Andererseits ist für alle, die mehr als 1080p 60 FPS wollen, die Entscheidung Pro-dezidierte-Grafikkarte eindeutig: auf eine dezidierte Grafikkarte mit hoher Rechenpower kann man nicht verzichten.

(Bildquelle: Pixabay.com – CC0 Public Domain)